Rocker: Der T-Rex 700E DFC von robbe/Align

In ROTOR 12/2010 stellten wir erstmals den T-Rex 700E vor. Seitdem hat Align das Modell immer wieder überarbeitet und verbessert; am grundsätzlichen Konzept wurde jedoch nichts verändert. Anders beim hier vorgestellten T-Rex 700E DFC. Neben einem neuen Rotorkopf erhielt dieses Modell auch eine vollständig »umgekrempelte« Mechanik, die sich unter anderem durch eine Direktanlenkung der Taumelscheibe vom bisherigen 700er unterscheidet.

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DSC02540»Ja braucht die Welt denn noch einen 700er Elektroheli? Es gibt doch schon mehr als genug.«, werden Sie sich vielleicht fragen. Das war auch mein erster Gedanke, als wieder einmal Videos eines angeblich ganz neuen T-Rex 700 im Internet kursierten. Inzwischen bricht bei mir bei solchen Ankündigungen allerdings keine Euphorie mehr aus. Meistens steckt hinter den angepriesenen Neuheiten eigentlich nur eine Modellpflege, die andere Hersteller einfach in die Serie einfließen lassen, ohne ihnen gleich einen neuen Namen zu verpassen. Dennoch sehe ich mir diese Videos der angeblich so geheimen Testflüge gern an; selbst, wenn es dann doch nichts wirklich Neues außer der Farbe des Alus zu sehen gibt, sind die Flüge als solches doch immer wieder einen Download wert.

Also wurde auch ein Blick auf die Videos des T-Rex 700E DFC geworfen, in denen unter anderem der neu bei Align ins Team gekommene Jamie Robertson zeigt, wo fliegerisch »der Hammer hängt«, und dass die Mechanik des neuen Modells offenbar im Flug unkaputtbar ist. Am Modell selbst fällt zunächst eigentlich nur der extrem niedrig liegende DFC-Rotorkopf auf – die Mechanik ist ja im Flug von der Haube verdeckt. Nur bei deren Aufsetzen erkennt man, dass die Anlenkung der Taumelscheibe komplett anders funktioniert als bei den bisherigen 700ern. Und noch mehr zeigt Align in seinen Videos: Das Flybarless-System 3GX erhielt ein Software-Update, an deren Regelung (so munkelt man in der Szene) Jamie Robertson maßgeblich mitgearbeitet hat. Da Jamie durch seine Erfahrungen mit VStabi sicher sehr genau weiß, was ein Flybarless-System können muss, war ich auch gespannt, wie die neue Software des 3GX im Vergleich mit der früheren und auch den Mitbewerbern abschneidet. Die Neugierde war geweckt und der T-Rex 700E DFC wurde in der Super Combo mit den ebenfalls neuen Align HV-Servos beim Importeur robbe geordert.

Lieferumfang und Montage

2_haubeWie alle Modelle von Align kommt auch der T-Rex 700E DFC in ordentlich nach Baugruppen in Beuteln und Kästen verpackten Einzelteilen, die ihrerseits wiederum Platz im farbig bedruckten Umkarton finden, zum Kunden. Neben den sauber aus Aluminium und CfK hergestellten Mechanik-Bauteilen komplettieren eine mehrfarbig lackierte GfK-Kabinenhaube sowie die bekannt guten CfK-Haupt- und Heckrotorblätter von Align das eigentliche Modell. Die enthaltene Elektronik ist bei der von mir gewählten HV Super Combo extrem komplett und besteht aus Taumelscheiben- und Heckservos, Motor und Regler sowie dem Flybarless-System 3GX sowie den benötigten Verlängerungskabeln. Neben so nützlichem Zubehör wie Klettbändern oder einem Blattcaddy liegt auch dieses Mal wieder das orange Align-Handtuch im Kasten, über dessen tieferen Sinn man trefflich streiten kann.

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Einige Baugruppen des T-Rex 700 sind bereits vormontiert. Lassen Sie sich hiervon aber keinesfalls täuschen. Bis auf die tatsächlich sauber mit Schraubensicherung versehene Heckrotornabe und die verklebten Kupplungen der Heckantriebswelle muss tatsächlich alles noch vom Erbauer endmontiert werden. Man kann sich beim endgültigen Verschrauben aber getrost an den vorgegebenen Aufbau halten. Da stimmt alles. Solche Baugruppen können also ohne Anleitung zerlegt, von Öl befreit und mit Schraubensicherung (liegt wie immer bei; die Anleitung gibt vor, welcher Festigkeitsgrad genutzt werden soll) wieder zusammengesetzt werden. Man sollte lediglich beim Anziehen der Schrauben in Aluteilen Vorsicht walten lassen, um die Gewinde im recht weichen Aluminium nicht zu beschädigen. Der restliche Aufbau ist ebenfalls kein großes Problem, so man denn des Englischen einigermaßen mächtig ist. Wie bei allen Bausätzen, die über robbe bezogen werden, liegt nämlich neben der gut bebilderten und sehr ausführlichen englischen Anleitung nur ein Heft mit der deutschen Übersetzung der Texte bei. Sinnvoller wäre es nach, diese direkt in das Layout der bebilderten Version zu integrieren.

DFC-Rotorkopf und Anlenkung

1_kopfDFC steht für »Direct Flight Control« (direkte Ansteuerung), was suggeriert, dass dieser Rotorkopf noch direkter reagieren könnte. Letztlich bedeutet es nichts anderes, als dass die Rotorkopfgestänge gleichzeitig auch die Taumelscheibe mitnehmen, also auf einen – wie auch immer gearteten – Mitnehmer verzichtet werden kann. Dies ist hier so gelöst, dass zwei Aluminum-Frästeile mit eingesetzten Kugellagern an den Anlenkarmen der aus Aluminium gefrästen Blattgriffe so verschraubt werden, dass ihr Drehpunkt parallel zur Blattlagerwelle liegt. So haben sie nur einen Freiheitsgrad, können die Schwenkbewegungen der Taumelscheibe übertragen und gleichzeitig ihren Innenring phasenrichtig mitnehmen. Das Ganze ist sehr steif, und ich war zunächst etwas skeptisch, ob bei einer Auslenkung der Blattlagerwelle in der Dämpfung nicht die Gewindestangen, die die Kugelpfannen mit den Frästeilen verbinden, brechen würden. Die Praxis zeigt aber, dass man hier nichts befürchten muss. Es lassen sich im Zweifel sogar die mit Aluringen verstärkten Kugelpfannen zum Einstellen des Spurlaufs von der Taumelscheibe abnehmen. Letztere wurde ebenfalls neu konstruiert und verfügt nur noch über zwei Ausleger am Innenring, an denen die Kugelbolzen (5 mm) dann quer angebracht werden. Je zwei Bohrungen ermöglichen die Wahl des möglichen zyklischen Ausschlags.

httpv://www.youtube.com/watch?v=NAYtQ0I7DdE

3_ccpmDie Blattlagerwelle hat einen Durchmesser von 10 mm, die Rotorwelle misst 12 mm und ist hohl. Beide sind damit im Flug kaum kleinzukriegen. Ein sehr nettes Detail finde ich die speziellen Zugschrauben, die zwischen Gewinde und Kopf einen kleinen Absatz haben, der sich in die Blattlagerwelle setzt, so dass das Gewinde keinerlei Querbelastungen aufnehmen muss. Die Dämpfung ist sehr hart ausgelegt, so dass die DFC-Anlenkung keine zu großen Biegekräfte abbekommt. Die Anlenkung der Taumelscheibe erfolgt im Winkel von 120° von direkt darunter stehend angeordneten Servos. Man verzichtet also auf die Push-Pull-Hebel. Die Seitenteile wurden dabei mit Kunststoff-Verstärkungen so gestaltet, dass die Servos im richtigen Winkel zur Ansteuerung arbeiten können. Die Rollservos werden an der Domplatte sowie der mittleren Rotorwellenlagerung verschraubt. Das Nickservo sitzt in einem am Seitenteil angespritzen Kunststoffhalter. Da die Taumelscheibe bei dieser Auslegung nicht mehr durch die Nickanlenkung am Mitdrehen gehindert werden kann, kommt wieder eine Kulisse zum Einsatz, in der die Verlängerung des hinteren Kugelbolzens gleitet. Ganz »Oldschool« – hier allerdings filigran aus Aluminium hergestellt.

Einen ausführlichen Bericht über weitere technische Merkmale sowie Flugerfahrungen  lesen Sie in der Ausgabe 2/2013 des ROTOR Magazins.

Fazit

Insgesamt kann man dem T-Rex 700E DFC bescheinigen, dass es sich dabei um eine wirklich gelungene Konstruktion handelt. Das Modell ist extrem robust und muss sicher keinen noch so wilden Piloten fürchten. Stellt man es laut Anleitung ein, funktioniert es zudem auf Anhieb. Lediglich die hohen, durch die Übersetzung vorgegebenen Drehzahlen sollten noch einmal überdacht werden. Würde man sie etwas reduzieren, wären sicherlich die niedrigeren Drehzahlen wesentlich konstanter, so dass das leise Herumcruisen mit 1.300 U/min noch einmal mehr Spaß machen würde. Auch die Ausstattung der Super Combo lässt keine Wünsche offen. Alle Komponenten sind hochwertig und verrichten zuverlässig ihren Dienst. Positiv überrascht hat auch die neue Software des 3GX, das damit einen großen Schritt nach vorn gemacht hat.

 

Auszug aus ROTOR 2/2013 / Markus Fiehn

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