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Capri Wonne: Guimbal Gabri G2 – Das Vorbild

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Die Cabri von Hélicoptères Guimbal ist der neue Stern am Hubschrauber-Himmel. Dieser Typ setzt neue Maßstäbe in puncto Flugdynamik und Sicherheit. Anreiz genug, der großen Cabri ein 1 : 3-Modell folgen zu lassen, das zusammen mit Jürgen Schwing konstruiert wurde. Michael Kügelgen erzählt die Geschichte von Vorbild und Modell. 

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Die Cabri ist im Gegensatz zu anderen Kleinhubschraubern mit einem Dreiblattrotor ausgerüstet, der einen wesentlich »sportlicheren« Flugstil ohne Angst vor Mast-Bumping erlaubt.

»Ich weiß es nicht!«, war die ebenso kurze wie schlichte Antwort von Bruno Guimbal auf die Frage, wie er die Zeit von 2000, nachdem er Eurocopter verlassen hatte, bis 2007, als die erste Cabri verkauft wurde, finanziell durchgestanden habe. Einen fliegenden Prototypen gab es schon Anfang des neuen Jahrtausends; was fehlte, war die offizielle Zulassung nach der neuen EASA-Richtlinie. Und diese extrem aufwendige Zulassungsarbeit, die bis heute kein weiterer Kleinhubschrauber geschafft hat, hielt Bruno Guimbal und seine damals noch kleine Mannschaft ganze sieben Jahre in Atem – geplant waren drei. Doch der Reihe nach:

Historie

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Der Dreiblatt-Rotorkopf der Cabri – hier noch ohne Schwingungsdämpfer.

Bruno Guimbal brachte schon einige Erfahrung mit sogenannten Homebuilds und etliche Flugstunden mit, als er Anfang der 1980iger Jahre bei der Firma Eurocopter als junger Ingenieur anfing. So baute er u. a. seine eigene VariEze nach Plänen seines Freundes Burt Rutan, des amerikanischen Aerodynamik- und Composite-Papstes, und flog damit quer durch die Staaten. Dank seines Talents stieg er in dem Konzern schnell zum Entwicklungsleiter für das Projekt EC 120 Colibri auf. Der Rotorkopf stammt maßgeblich aus seiner Feder, und auch bei der Entwicklung des so genannten Fenestrons, der Heckrotor-Alternative, war er beteiligt. Da er sich nicht nur um alternative Heckrotoren, sondern auch um die gesamte Mechanik der zukünftigen neuen Hubschrauber-Generation kümmern musste, reifte in ihm ein abenteuerlicher Plan: Warum nicht für die Erprobung einzelner Komponenten der großen EC 120 einen Kolbenmotor-angetriebenen Kleinhubschrauber bauen? So entstand heimlich und leise in Guimbals Garage der allererste Prototyp der Cabri.

Auf halber Strecke passierte, was passieren musste: Bruno wurde zum Vorstand zitiert, denn irgendwie hatte es sich herumgesprochen, dass die Simulationsprogramme nicht ausschließlich zur Entwicklung der EC 120 verwendet wurden. Nachdem er sein Projekt vorgestellt hatte und auf eine dicke Zigarre, wenn nicht gar Schlimmeres wartete, geschah das Unglaubliche: Die Konzernleitung war so sehr von der Konstruktion, der Idee und nicht zuletzt auch von dem charismatischen Monsieur Guimbal angetan, dass man ihm volle Unterstützung gewährte. Alle Arbeiten mussten nicht mehr heimlich durchgeführt werden, sondern hochoffiziell und innerhalb der Firma. Aus dieser äußerst ungewöhnlichen Kooperation sind letztlich zwei neue Hubschrauber hervorgegangen: Zum einen die EC 120, ein ausgesprochen erfolgreicher kleiner Turbinenhubschrauber mit fünf Plätzen und einem max. Abfluggewicht von 1.715 kg, zum anderen, quasi als »Abfallprodukt«, ein zweisitziger Kleinhubschrauber mit Kolbenmotor und einem max. Abfluggewicht von 700 kg.

Aus eins mach drei

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Die Cabri ist mit einem Siebenblättrigen Fenestron ausgerüstet – ein Novum für Hubschrauber dieser Klasse.

Aber die etwas wunderliche Entwicklungsgeschichte ist noch längst nicht zu Ende. Nachdem alle revolutionären Ideen und Innovationen der EC 120 nun auch in der Cabri steckten (eigentlich war es ja genau umgekehrt), erkannte man sehr wohl das Potential der Kleinen. Deshalb erhielt Bruno Guimbal den Auftrag, aus »seinem« Kleinhubschrauber eine unbemannte militärische Version zu entwickeln, also eine Drohne. Und gab es noch irgendwelchen Entwicklungs- und Optimierungsbedarf, so wurde er nun spätestens durch die Drohne, die ORCA., geschlossen. EC 120, Cabri G2 und ORCA sind, wenn schon nicht Drillinge, dann zumindest echte Geschwister.

Doch Eurocopter ist ein Großkonzern, und man beschloss, sich nicht weiter mit Kleinhubschraubern aufzuhalten. Ein richtiger Hubschrauber musste zudem eine Turbine als Antrieb haben und keinen »Kolbenschüttler«. Jetzt schlug die Stunde des Bruno Guimbal, und er machte sich kurz entschlossen mit der bereits fertig entwickelten Cabri selbstständig. Die Trennung von seinem langjährigen Arbeitgeber verlief fair und freundschaftlich, und so konnte er weiterhin mit der Unterstützung des großen Konzerns rechnen. Darüber hinaus erlaubte man ihm, viele der EC-Patente zu nutzen, u. a. für den so wichtigen Fenestron und den Dreiblatt-Rotorkopf…

Einen ausführlichen Bericht über die Gabri G2 (Entwicklung, Flugverhalten sowie die Entstehung des Modells) lesen sie in ROTOR 4/2014 und 5/2014 (ab 25. April im Handel).

 

 

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