Projekt Big Lama im Maßstab 1:2,5

Die Eigenbau-Lama im Maßstab 1:2,5 von Jens Schwarzmannseder und Jan Otterstätter sucht sicherlich ihresgleichen und ist ein gutes Beispiel dafür, dass einem kreativen Flugmodellbauer kaum Grenzen gesetzt sind. In einem zweiteiligen Beitrag berichtet Jens Schwarzmannseder über sein Lama-Projekt, dessen Höhen und Tiefen bis hin zum Erstflug und gibt zudem tiefe Einblicke in eine Geschichte, die eigentlich schon vor 27 Jahren begann.

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P1060582Modellhubschrauber fliege ich seit ca. 45 Jahren. Angefangen hat diese Leidenschaft mit dem ersten Graupner-Hubschrauber, was den Rundflug betreffend, damals eine echte Herausforderung war. Viele Jahre gingen ins Land und es folgten Modelle vorrangig der Firma Schlüter, die zwar relativ einfach waren, jedoch wunderbar flogen. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Modelle immer größer, mit Benzinmotoren ausgerüstet und so entstand der erste Eigenbau mit Gitterrumpf. Durch den Bericht über diesen Eigenbau, den ich vor ca. 27 Jahren für eine Modellbauzeitschrift schrieb, lernte ich einen Herrn aus Losone bei Ascona kennen, dessen Bruder bei der Schweizer Rettungswacht eine originale Lama flog; so kam ich an die Originalpläne dieses Hubschraubers im Maßstab 1:4. Diese Pläne schlummerten sehr viele Jahre bei mir im Dunkeln, bis ich sie im Jahr 2012 wieder hervorholte und langsam der Gedanke reifte, etwas wirklich Großes ins Leben zu rufen: Ein Rotordurchmesser von 4,40 Meter sowie eine Rumpflänge von über 4 Metern geisterten mir durch den Kopf, und so nahm die ganze Geschichte immer mehr Gestalt an. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich immer mehr zum Turbinenliebhaber der Firma Jakadofsky, und so flogen auf unserem Flugplatz Lamas der Firmen VARIO und Söllner (mit 3.500 mm Rotordurchmesser) sowie eine AW 139 von Helifactory.

Das Projekt beginnt

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Ca. sechs Kilo wiegt alleine der Rotorkopf!

Das Projekt Lama 1 : 2,5 fing damit an, dass die Originalpläne im Maßstab 1:4 umgerechnet wurden – allein die schiere Größe des Gitterrumpfes sprengte alles bislang dagewesene. Trotzdem wollte ich das Ding bauen, und so wurde in unserer Firmenwerkstatt eine fünf Meter lange und 1,20 Meter breite 6-mm-Stahlplatte auf 4-Kant-Traversen exakt gerade installiert, worauf der Gitterrumpf des Heckauslegers in der Draufsicht exakt aufgezeichnet wurde. Daneben wurden die Seiten aufgetragen.
Ein Lieferant für die 12, 10 und 8 mm-VA-Rohre wurde auch gefunden, drei Kartuschen Silberlot von Castolin geordert und schon jetzt stellte sich heraus: Das Modell wird nicht nur teuer, es wird »sündhaft« teuer werden. Der Anfang war allerdings gemacht und nachdem die ersten Tausender ausgegeben waren, gab es kein Zurück mehr. Meine Werkstattausrüstung war fürs Erste mehr als ausreichend, eigentlich war vom WIG-MIG-Schweißgerät, Gas-Sauerstoff-Gerät, Dreh- sowie Fräsmaschine etc. alles vorhanden, um anfangen zu können.

Als erstes wurden die seitlichen 12-mm-Rohre in der Länge abgelängt und auf der Metallplatte mit starken Magneten fixiert. Sämtliche 8-mm-Verbindungsrohre wurden mit etwas Überlänge abgesägt und mittels Fräsmaschine auf das erforderliche Maß exakt winklig ausgeklinkt. Diese Rohre wurden ebenfalls mit Magneten fixiert und eingelötet. Etwas schwieriger waren die Seitenteile des Heckauslegers. Hier baute ich Hilfsvorrichtungen aus Stahl, wo das erste Teil eingehängt, ausgerichtet und befestigt wurde. Das 12-mm-Rohr unten wurde ebenfalls mit Magneten fixiert, so dass die schrägen Rohre nach Plan gesägt, ausgeklinkt und eingelötet werden konnten. Nach etlichen Stunden entstand so ein Gebilde, das tatsächlich nach einem Heckausleger aussah.

Die Fertigung des Rumpfmittelteils gestaltete sich aufwendiger als gedacht. Tatsächlich musste ich mehrere Hilfsvorrichtungen bauen, um alle 16-mm-Rohre dahin zu bekommen, wo sie auch maßlich sitzen sollten. Die ganze Geschichte nahm viele Tage in Anspruch, wurde jedoch letztendlich mit einem Rumpfmittelteil belohnt, das sich sehen lassen kann. Die Verbindung zum Heckausleger war ein gewisser Kraftakt, galt es doch, eine stabile und vor allen Dingen perfekt passende Lösung für den schraubbaren Heckausleger zu schaffen. Gedrehte und gefräste Teile, die in die Rohrenden von Heck und Mittelteil eingelötet wurden, schafften hier eine präzise Konstruktion, die von einer 4,5mm-Titan-Paßschraube gehalten wird …

Texte: Jens Schwarzmannseder,
Bilder Michael Schneider, Jan Otterstätter

Rotor-Titel-1-15Den ausführlichen Baubericht der Lama im Maßstab 1:2,5 lesen sie in ROTOR 1/2015 (ab 30. Dezember im Handel).

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